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Wie und für wen sind Border Collies?

 

 

Die kurze Standardantwort:

Border Collies sind besonders intelligente, hervorragend zum Traineren geeignete Hunde, die bei allen Hundeintelligenztests an der Spitze landen.

Sie sind die Rasse, die sich auf die höchste Präzesion beim Schafehüten trainieren lassen, eine Arbeit die vom Hund große Wendigkeit, Geschicklichkeit, Ausdauer, Energie, selbständiges Denken aber auch eine besondere Neigung verlangt, sich durch Kommandos vom Schäfer helfen und leiten zu lassen.

Durch die Zuchtauslese auf diese Eigenschaften, also auf die besten Hütehunde, wurde eine Rasse geschaffen, die sich aufgrund genau dieser Charakteristika besser als alle anderen Rassen (statistisch betrachtet) für die modernen Hundesportarten wie Agility, Obedience und Flyball eignet.

In diesen Sportarten genießen die BCs einen solchen Monopolstatus, daß ein Hundeführer mit einer anderen Rasse schon fast mit einem automatischen Malus gegenüber den Borders startet. In England gibt es schon längst Bewerbe, die für Border Collies nicht zugänglich sind, um den anderen Rassen eine Chance zu geben.

 

Anforderungen an einen Border Collie Halter:

Es versteht sich von selbst, daß ein Hund der zu solchen Leistungen geboren ist, sich als reiner Hof- oder Sofahund unterfordert fühlt. Da die Border Collies so intelligent sind, wollen sie gerne wissen „was ihr Beruf ist“, um glücklich zu sein.

Wenn man ihnen keinen gibt, werden sie sich einen suchen, meistens wird das dann irgendeine mehr oder weniger eigenartige Marotte sein, die aber vermutlich dem Besitzer wenig Freude bereiten wird.

Da die Border Collies ein sehr hohes Aktivitätsniveau haben, kann man sie auch im ungünstigsten Fall derartig über- oder unterstimulieren, daß sie jämmerliche Stereotypien entwickeln (wie die bekannten Stereotypien unterforderter Zooraubtiere)

Recht häufig zum Beispiel ist manisches Ballbringen, das nicht mehr ein freudiges Spiel ist sondern ein richtiger Zwang. Der Hund wirft einem dann ununterbrochen den Ball vor die Füße, wobei er eher gestreßt als glücklich wirkt.

Solche Neurosen können genauso wie bei Unterbeschäftigung auch bei zu einseitiger „hirnloser“ Beschäftigung entstehen. Zum Beispiel wenn man, um den Hund irgendwie zu bewegen, täglich den Ball immer eine halbe Stunde in dieselbe Richtung wirft.

Man ist also als Border Collie Halter angehalten, Spiele und Aufgaben für seinen Hund zu finden, die ihn nicht nur körperlich sondern auch mental auf Trab halten.

Obedience ist eine schöne ruhige Trainingsarbeit, bei der es um Exaktheit geht, und bei der der Hund zwar motiviert aber nicht überstimuliert wird.

In den modernen Hundebüchern und –Zeitschriften werden auch zahlreiche Spiele für Hunde beschrieben, die seine grauen Zellen beschäftigen.

Viel wichtiger als eine gewisse Anzahl an gerannten Kilometern am Tag ist für einen intelligenten Hund, daß er „Material zum Träumen“ hat, unterschiedliche Erlebnisse und Begegnungen, forderndes Training und intelligente Spiele.

Border Collies brauchen sicher nicht den ganzen Tag Hundesport, um glücklich zu sein. Eine ruhige, sichere Atmosphäre zu Hause, etwa zweimal in der Woche regelmäßiges Training und ansonsten ausführliches Teilhaben am Leben ihrer Menschen, die Möglichkeit sich jeden Tag frei von der Leine auszutoben und Spiele, die das Hirn beschäftigen, reichen aus, um einen Border glücklich und ausgeglichen zu halten.

Das ist eigentlich ganz einfach, verlangt aber trotzdem, daß man zumindest einen beträchtlichen Teil seines Lebens nach dem Hund richtet.

Ein Border kann nicht „einfach nur so mitlaufen“. Da sind Probleme vorprogrammiert.

 

Grundsätzliches:

Für mich ist es eigentlich ohnehin unverständlich, daß man Freude daran haben kann, einen stumpfen, unausgebildeten, mental verkümmerten Hund zu haben, den man nie von der Leine lassen kann, weil er weder Komm noch Platz kann.

Für mich ist das Halten von Hunden nur dann ein Erlebnis, wenn man Zugang zur Seele des Hundes bekommt, wenn man sich ihm verständlich machen kann und auch seine Bedürfnisse lesen kann. Wenn man ihn entsprechend seiner Anlagen fördern möchte und ihm gute „Umgangsformen“ beibringt, damit man ihn überallhin mitnehmen und an seinem Leben teilhaben lassen kann.

Wenn mich das nicht interessiert und ich nur ein pelziges dekoratives Tier zur Zierde, zum Streicheln und zum Füttern haben will, bin ich sowieso mit einer Katze besser bedient.

Mit einem Border Collie ist man verplichtet, ihn zu erziehen und zu fördern. Vernachlässigte Border Collies werden immer Problemhunde.

 

Verantwortung der Züchter und Welpenkäufer:

 

Es gibt eine gewisse Tendenz, die Border Collies „familientauglicher“ zu züchten, also mit weniger Arbeitsbedürfnis, sodaß sie mit weniger Beschäftigung auskommen sollen.

Erstens ist aber noch lang nicht gesagt, daß ein Welpe von solchen Züchtern auch wirklich „handlicher“ im Umgang ist, da das Hütehundeblut noch eng in den Stammbäumen der heutigen reingezüchteten Showlinien liegt.

Zweitens sagt einem schon der Menschenverstand, daß genau die Eigenschaften, die den Border Collie etwas anspruchsvoll in der Haltung machen, auch der Grund für die Überlegenheit dieser Rasse in Leistungsaufgaben sind. Diese Eigenschaften wegzuzüchten würde ihn auf das Niveau der anderen Hunderassen herunterholen und die letzten wahren Hütehunde würden aussterben.

Man darf nicht vergessen, daß die anderen britischen Hütehunde vor hundert Jahren, vor der Trennung in die Schaurassen dasselbe Leistungsniveau wie die heutigen Border Collies hatten.

Jetzt ist nur mehr der Border Collie in der Lage, die höchsten Ausbildungsstufen beim Hüten zu erreichen, und das nur, weil er erst 1975 als Showrasse anerkannt wurde und bis dahin ausschließlich von Schäfern gezüchtet wurde, denen es natürlich um die Erhaltung der Leistung allein ging.

In Österreich herrscht im Moment ein ziemlich gutes Bewußtsein dafür, wie wichtig es ist, die Leistungsfähigkeit der Borders zu erhalten, auch wenn man einem Showstandard entgegenstrebt.

Solange es auch den Welpenkäufern wichtig ist, „echte“ Border Collies und nicht hübsche Imitationen ohne Hirn zu kaufen, wird das auch hoffentlich so bleiben.

Da die modernen Hundesportarten ohnehin gerade boomen und auch das Schafehüten in Österreich immer mehr Freunde findet, schaut es nicht schlecht für eine gute Zukunft der Borders aus.

Border Collies sind tatsächlich angenehme ruhige Hausgenossen, wenn sie wissen, was ihr Beruf ist, aber man sollte allen Züchtern mißtrauen, die an einen Welpenkäufer keinerlei Ansprüche stellen und Border Collies als Spielzeug für Kinder, als Wach- oder Hofhunde oder anspruchslose Stubenhunde verkaufen.

Border Collies sind geeignet für sportliche, ruhige Menschen, die Zeit haben, sich der Hundeerziehung nach den modernen Methoden zu widmen.

Besonders viel Freude an einem Border Collie hat natürlich der passionierte Hundesportler oder der Schafhalter, der einen Hütehund ausbilden will.

 

Alternativen zum Border Collie

Wer sich nur in das Aussehen verliebt hat, vielleicht ein bißchen Hundesport machen will aber nicht sicher ist, wieviel Zeit er wirklich in seinen Hund investieren will, könnte noch über einen Australian Shepherd nachdenken, die noch immer aktive und sportliche Hunde sind, aber schon deutlich weniger fordernd als die Border Collies.

Ich bin ein natürlich ein großer Fan von den bei uns so unbekannten Shelties, die man zu tollen Sporthunden erziehen kann, die aber auch mit einem Minimum an systmatischer Erziehung auskommen, solange sie nur ausreichend Kontakt zu und Liebe von ihren Menschen bekommen. Wenn man der sanfte Typ ist, der nicht gern schreit, paßt man gut zu einem Sheltie. Shelties sind bei liebevoller Behandlung und Familienanbindung annähernd selbsterziehend, können aber ein sehr hohes Niveau erreichen, wenn man man mit ihnen arbeiten will.

                                                        

Zwei Aussies aus dem sehr erfolgreichen deutschen Zwinger "Meistersinger", Emma und Othello