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Rangordnung Modern- Konsequenz ohne Starrheit
Neueste Forschungen im
Wolfrudel zeigen, daß die Rangordung keineswegs das starre Gebilde ist,
als das man sie immer angenommen hat
Zum Beispiel kann
durchaus auch der Omega-Wolf einmal den Weg zu einer Futterstelle
anführen, wenn er sich besser „auskennt“ als die anderen. Und natürlich
fluktuiert die Rangordung je nach Fitness der betroffenen Tiere. Sie
fliet eigentlich dauernd. Im Tierpark Herberstein bei Graz gibt es zwei
sehr interessante Timberwolfrudel aus mehreren Generationen, bei denen
man ganz genau beobachten kann, wie das abläuft. Der Leitwolf führt nur,
solange er seine Macht aktiv ausspielt. Wenn er schläft, holen sich die
anderen natürlich ihr Futter. Er muß auch nicht pausenlos konsequent
sein. Einmal gehört ein Knochen ihm und er teilt das allen mit, dann
interessiert er ihn nicht mehr und die anderen können sich darum raufen.
Und natürlich
versuchen die rangniedrigeren Wölfe auch an ihren Vorteil zu kommen,
wenn der Leitwolf nicht herschaut.
Dasselbe gilt in
unserem Hunderudel. Celtic, der ein starker Hund ist, folgt mir deutlich
schlechter, wenn ich verkühlt bin und meine Stimme nicht stark klingt.
Und er spielt die
Rudelchef-Spiele mit seinem Hunderudel. Er beschließt, ein Spielzeug
gehört jetzt nur ihm, und läßt keinen daran. Dann läßt er es „zufällig“
fallen, beobachtet aber aus dem Augenwinkel und wenn es sich Dajm oder
Zony schnappen wollen, stürzt er sich wild dazwischen und reißt es an
sich.
Plötzlich interessiert
es ihn wirklich nicht mehr, er geht in sein Körberl und die anderen
können es haben. Celtic braucht nicht konsequent sein und den Rest des
Tages darauf liegen bleiben. Es reicht, daß die anderen wissen, daß er
das, was er im Moment haben will, sich auch nehmen kann und dann keinen
Widerstand duldet.
Dajm frißt auch aus
Celtics Futterschüssel. Wenn Celtic dabei ist, „fragt“ Dajm nach, das
heißt er geht zuerst vorsichtig zur Schüssel und nimmt einen Brocken
heraus, mit einem Blick auf Celtic. Wenn der gelassen bleibt, ist alles
in Ordnung, wenn Celtic Blick starr und raubtierhaft wird, geht Dajm
lieber wieder zu seiner eigenen Schüssel. Das ist ganz feine
Kommunikation, die man leicht übersehen kann, weil kein Knurren und fast
keine Bewegung im Spiel ist!
Eine solche
Kommunikation ist also den Hunden natürlich. Sie fragen, und wenn
der Alpha keine Einwände hat, tun sie was sie
tun wollten.
Wenn wir die Fragen
erkennen und eindeutig antworten, und natürlich vorher schon etabliert
haben, daß wir gefragt werden müssen, haben wir schon eine gute
Kommunikation mit unserem Hund!
Wichtig ist, daß wir
unsere momentane Entscheidung nicht dauernd durch Nachbohren des Hundes
aufweichen lassen, denn dadurch lernt er nicht, uns zu respektieren,
sondern einfach, daß er sich etwas mehr anstrengen muß, um doch zu
bekommen, was immer er möchte!
Kein Problem ist es
hingegen, wenn ein Hund eine Sache manchmal darf und manchmal nicht
darf, solange er fragt und sich auch daran hält, wenn wir nein sagen.
Das ist in der Hundeerziehung ein sehr moderer Gedanke, weil man noch
immer auf dem altmodischen starren Rangordnungsprinzip aufbaut. Selbst
in den modernsten Hundebüchern findet man noch die Postulation, daß
einen der Hund nie zum Spiel auffordern darf, daß jede Aufforderung vom
Menschen kommen muß. Ich finde das unnötige Starrheit in der
Mensch-Hund-Beziehung und würde eine solche Regelung ausschließlich zum
Umerziehen von äußerst dominanten, beherschenden Hunden einsetzen, denen
alle Privilegien entzogen werden müssen, um ihn ein bißchen tiefer zu
stufen.
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