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Training mit Philippe Heintz 08/07

Auf einem riesigen, sanft hügeligen und wunderschönen Trialfeld, das die Familie Egger zur Verfügung gestellt hat, fand am 25.-26- 08. 07 ein Zweitages-Trial und ein anschließendes Training mit dem Richter Phillipe Heintz statt.

Dieser aus Frankreich angereister Richter entpuppte sich als ein unerschäpflicher Quell von Trialweisheiten, die er großzügigst um sich streute! So wurde schon das abendliche Zusammensitzen am ersten Trial-Abend zu einer so interessanten Lehr-Veranstaltung, daß ich schließlich anfangen mußte mitzuschreiben, um mir alles zu merken.

Hier also statt des üblichen Trial-Berichts die Zusammenfassung meiner
Notizen:

Philippe Heintz über:

Unsere Trial-Hunde:

Prinzipiell war Philippe sehr angetan davon, wie unsere Trial-Hunde behandelt werden- sie werden mitgenommen, dürfen neben dem Handler liegen während des Mittagessens und beim Beobachten des Trials. Wir sperren unsere Hunde nicht dauernd weg, nur weil sie gerade nicht dran sind, und er würde sich wünschen, das würde auch in Frankreich Schule machen.

Was das Trial betrifft, hat er gemeint, er hätte einige sehr starke Hunde gesehen, die es geschafft haben, die Schafe, die an einer stallnahen Ecke des Trial-Felds gerne ausbrechen wollten (und das auch bei einigen Läufen geschafft haben) mit vollem Einsatz wieder zurück ins Feld zu holen. Wenn hier Schafe verlorengegangen sind, hätten meistens die Handler selber den richtigen Moment verschlafen oder den Hund am falschen Ort gestoppt oder auf die verkehrte Seite zum Einholen geschickt.

Richtig schwache Hunde hätte er keine gesehen. Manche Linien, z.B. die walisischen Linien seien so gezüchtet, daß der Hund von selber gerne weit aufmacht und wenig andrückt, da die walisischen Schafe so wild sind.

Ein walisiches Trial, von dem er berichtet hat, bestand "nur" aus einem Doppeloutrun von je einem Kilometer.

Auf jeder Seite wurden die Schafe mit einem Hänger aufs Feld gefahren. Wenn das das Tor des Hängers geöffnet wurde, stürzten die Schafe heraus und rannten 4- 500 Meter in irgendeine Richtung, was aber bei der Größe des Feldes kaum auffiel. Ganz anders also als bei unseren Trials, bei denen jeder Starter erwarten kann, daß der Schafsteller die Schafgruppe am Outrun-Pfosten hält, bis der Hund auf seinem Outrun auf der Höhe der Schafe ist.

Für diese Art von wilden Schafen braucht man unbedingt einen Hund, der gerne einen weiten Abstand hält und nicht zu sehr andrücken möchte, sonst kann man sie überhaupt nicht kontrollieren.

Für unsere kontinentalen Schafrassen ist aber ein mittelweiter birnenförmiger Outrun notwendig, nicht der weitmöglichste. Besonders am Anfang des Outruns sieht Philippe es nicht gerne, wenn die Hunde gleich im rechten Winkel vom Handler weglaufen um auf die größtmögliche Umlaufbahn zu gelangen.

Ein birnenförmiger Outrun, bei dem der Hund in steilerem Winkel auf den Outrun startet und erst dann von selber weiter hinausläuft, ist optimaler.

Er hat uns nahegelegt, das mit unseren Hunden zu trainieren. Gerade die Hobby-Trial-Hunde würden zu sehr trainiert, einfach einer Feldgrenze oder einem Zaun zu folgen. In Wirklichkeit sollte sich die Form des Outruns aber an die Position der Schafe anpassen und nicht von der Lage des nächsten Feldes oder Zaunes abhängen.

Nur so kann man die Hunde dazu bringen, die Schafe aus dem nächsten Feld -vielleicht mit einem kleinen Tal dazwischen- zu bringen. Hunde, die immer am Feldrand entlangrennen, gehen dann hoffnungslos verloren und finden ihre Schafe nie!

Abgesehen davon daß man durch den Winkel, in dem man den Hund beim Pfosten auf den Outrun ansetzt, auch den Winkel seines Outrun-Beginns bestimmen kann, wird auch ein spezielles Kommando gebraucht, wenn der Hund zunächst einmal ein paar hundert Meter geradeaus laufen soll um dann erst auf eine Seite aufzumachen.

Kommandos:

Ab Klasse 2 sind Pfeifkommandos unbedingt notwendig, da der Hund sonst keine Chance hat, die Kommandoworte auf der steigenden Distanz auseinanderzuhalten!

Also schon in Kl. 1 pfeifen üben! Das dauert eine Weile, bis man gut pfeifen kann, aber es gibt ganz einfache Pfeifkommandos, für deren Produktion man kein abgeschlossenes Musikstudium braucht, und die sich auf Trials auch hervorragend bewähren. (Philippe hat ein paar Kommando-Sets vorgeführt, die ich Interessenten gerne einmal zeigen kann- das kann man leider nicht schriftlich beschreiben! Vielleicht wäre ja im Winter einmal Gelegenheit für einen Übungstag nur zum Erlernen der Sheepdog-Whistle-Kommandos?)

Wichtig ist nur, daß die Pfeifkommandos immer gleich produziert werden können (also üben) und daß sie zum Hund passen. Also braucht ein eher fauler Hund aktive Pfeifkommandos und ein Temperamentsbündel braucht ganz ruhige Kommandos.

Vom Anschreien eines zu wilden Hundes hält Philippe nichts, da es ihn eher noch mehr anstachelt.

Grundsätzlich verwenden wir, wie er findet, einfach ununterbrochen den "Notstop" (Emergency Break), anstatt den Hund in der Bewegung zu lassen und das Stopkommando als variable Bremse einzusetzen. Abgesehen davon, daß der Hund dadurch dauernd frustriert wird und immer heißer wird, verliert er durch einen kompletten Stop auch immer den Kontakt zu den Schafen.

Eigentlich sollte die Bewegung immer fließend bleiben und nicht im Stop-and-Go-Modus dahinruckeln. Schließlich beunruhigt ein ständiges froschartiges Auf-und-Ab des Hundes nur unnötig die Schafe.

Und man muß bedenken daß ein einigen hundert Metern Entfernung unsere Pfeifkommandos, selbst beim allerlautesten Pfeiferl, nur mehr als leises Zwitschern und möglicherweise nur mehr bruchstückhaft ankommen.

Deshalb muß man den Hund unbedingt schon im Training an ganz leise Kommandos gewöhnen und in überschaubarer Nähe im Flüsterpfeifton trainieren, sonst darf man sich nicht wundern, wenn der Hund in der Entfernung nicht mehr folgt!

Ganz wichtig ist auch, daß der erste Ton jedes einzelnen Kommandos schon unmißverständlich nur zu dem einen Kommando gehören darf. Keine zwei Kommandos dürfen mit dem gleichen Ton anfangen, sonst verwirrt man den Hund völlig!

Wenn die Pfeifkommandos gar nicht passen, hilft nur, das ganze Set umzustellen. Das ist meist für den Handler ein größeres Problem als für den Hund, vorrausgesetzt der bekommt dafür ein leicht verständliches Set eindeutiger Kommandos.

Training:

Jeder Hund ist ein Individuum und braucht seinen eigenen Trainingsaufbau. Also nicht nach Schema F jeden Hund etwa monatelang im Kreis um die Schafe rennen lassen. Manche Hunde sind geborene Treiber, mit denen kann man eventuell das Treiben vor dem Bringen üben. Nur soll der junge Hund dann nie aus dem Treiben langsam auf eine Flanke driften und ins Hereinbringen kommen. Statt dessen ein Stück sauberes Wegtreiben, dann abbrechen und eine neue Übung anfangen.

Das Stopkommando bei einem jungen Hund wird nur dann gut und sicher, wenn man den Hund dazu bringt, sich gerne hinzulegen. Je nach Veranlagung gibt es bei jedem Hund einen Punkt oder eine Situation, in der er nichts dagegen hat, sich hinzulegen und Situationen, in denen das "Lie Down" ihm völlig gegen den Strich geht.

Bei einem natürlichen Treib-Hund ist dieser Punkt meist, wenn er die Schafe gegen einen Zaun getrieben hat und sie dort stillstehen. Dann ist er zufrieden, sich hinzulegen und sie anzuschauen.

Bei den Hunden, die am liebsten um die Schafe herumrennen, muß man vielleicht warten, bis sie von vielen Runden müde sind und aus diesem Grund nicht mehr so viel dagegen haben, sich hinzulegen.

Als allererste Übung eines Junghundes an den Schafen empfiehlt Philippe sowieso das "einfache" Heranrufen zum Handler. So weiß der Hund gleich, daß er nicht allein für sich arbeiten kann, sondern immer Bezug zu seinem Handler halten muß. Wenn ein Junghund dann endlich zurückgekommen ist, sollte man ihn ausführlich loben und gleich wieder ein wenig an den Schafen arbeiten lassen. Das wiederholt man einige Male bis es gut funkioniert. So verknüpft er das Kommen zu Handler positiv und wird lernen, gerne zu folgen. Eine sichere Art, einen schlecht folgenden Hund zu bekommen, ist, ihn zu verfolgen bis man ihn eingefangen hat und dann mit ihm wütend das Feld zu verlassen. Das nächste mal wird er schauen, daß er sich nicht so leicht einfangen läßt. Dasselbe gilt für das Stopkommando. Wenn man dieses sehr negativ und für den Hund frustrierend aufbaut, wird er auch später eher vermeiden, das Stop anzunehmen, wenn er es irgendwie verhindern kann!

Bei eher schwachen Hunden mag der Anfang vielleicht etwas leichter gehen, aber für die höheren Trialklassen braucht der Hund schon eine gewisse Power. Und statt sich mit einem starken temperamentvollen Junghund auf Machtkämpfe einzulassen, sollte man in aller Ruhe trainieren, daß er lernt, auf Abstand zu arbeiten. Je stärker der Hund ist, desto mehr Abstand braucht er zu den Schafen. Das ist der ganze Schlüssel zum Training eines starken Hundes: Er braucht ein Stopkommando, das er gerne und sauber ausführt, und er muß lernen. auf großem Radius zu arbeiten.

Zu schnell arbeitende Hunde trainiert man mit flinken flüchtigen Schafen, damit er lernt, diese nicht zu schrecken, damit sie nicht in wilder Flucht davonrasen. Sollten sie davonrasen, muß der Hund lernen, sich trotzdem ablegen zu lassen ohne in Panik hinterherrennen zu wollen. Das ist ganz wichtig für das Erlernen der Triebkontrolle. Schließlich ist das Verlieren der Schafherde für den Hund das absolute Worst Case-Szenario! Er will ja auf jeden Fall die Herde kontrollieren und nicht weglaufen sehen. Mit der Zeit lernt er, daß sein Handler ihm helfen kann, die Schafe zu kontrollieren, und daß man flüchtige Schafe sogar besser kontrolliert, wenn man viel Abstand einhält, anstatt ihnen hinterherzujagen! Wenn man soweit ist, vertraut der Hund seinem Handler und nimmt seine Kommandos auch gerne an.

Bei einem eher wenig selbstsicheren Hund hilft viel Arbeit an größeren Herden, wo der Hund nahe an den Schafen und mit wenig Kommandos lernt, Druck zu machen und sich selbst zu behaupten.

Wenn man weiter als Kl. 1 kommen will, tut man sich auf lange Sicht noch immer leichter mit einem starken Hund, den man mit Training bremsen kann, als mit einem der schon von Natur aus weit aufmacht und dem man später beibringen muß, enger zu laufen und mehr anzudrücken.

Am schwierigsten zu korrigieren findet Philippe angeboren "einseitige" Hunde, die auf die eine Seite (z. B. im Uhrzeigersinn) sehr gut arbeiten, aber auf die andere Seite ganz schlecht sind.

Zucht:

Für den Züchter am wichtigsten zu bedenken findet Phillipe: die angeborenen Hüteanlagen, das Temperament und Gesundheit bis ins hohe Alter.

Das Temperament und die natürlichen Anlagen sind sehr nur sehr schwer durch Training zu kompensieren! Wenn von den Hüteanlagen Teile fehlen und durch Training mühsam aufgefüllt werden müssen, kostet das den Handler unnötige Zeit und Mühe, deshalb sollte man auf alle Fälle darauf achten, Border Collies mit weiterhin möglichst guten Hüteanlagen zu züchten. Dasselbe gilt für das Temperament- für Schafarbeit und Trials müssen Hunde psychisch extrem belastbar sein und wenn sie zu nervös werden und im entscheidenden Moment die Leistung nicht bringen können, nützt auch jahrelanges Training nicht. Bei einem trainingsaufwändigen Sport wie Sheepdogtrials sollten die Hunde auch extrem langlebig und fit bis ins Alter sein. Philippe zitiert das Sprichwort von "einem Jahr unter jeder Pfote", bis der Hund sein Handwerk ordentlich gelernt hat.

Take Time!

Er erzählt auch vom berühmten Nigel Watkins, dem er nach einem Trial in Großbritannien gratuliert hat. Nigel war mit einer 11-jährigen und einer 5 1/2-jährigen Hündin gestartet. Beide waren sehr gut gelaufen. Auf die 5-Jährige angesprochen kommentierte Nigel lakonisch: "She`s a good bitch for the future"! Das bei einer Hündin in einem Alter, wo man bei anderen Sportarten allmählich die Pensionierung oder zumindest die Oldies- und Veteranen-Klasse vor sich sieht!

Also: viel trainieren, dranbleiben, den Hund langsam aber sicher aufbauen, sich bewußt sein, daß der Aufbau eines guten Hütehundes lange dauert, und daß er im Alter, solange er bei guter Gesundheit bleibt, immer verläßlicher und sicherer wird!

Denjenigen, die auf relativ kleinen Feldern für relativ große Trials trainieren, hat er noch ein Zitat von John Griffith, dem berühmten International- und Brace-Handler mitgegeben: "You can train an International dog on a football field" (-Auf einem Feld von der Größe eines Fußball-Platzes kann man einen Hund für das International Supreme Championship trainieren-)