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Dominanz

 

Dominant ist derjenige, der seine Bedürfnisse dem anderen aufzwingen kann. Ein Hund, der mich bei der Hand nimmt und mich zur Futterschüssel zieht, ist dominant, einer der mich vom Sofa verdrängt ist dominant.

Natürlich wird jedes Lebewesen versuchen, sein Leben möglichst nach den eigenen Bedürfnissen einzurichten. Dafür braucht es noch keine besondere Anlage zur Dominanz. Das ist natürlicher Egoismus. Häufig sind Dominanzprobleme mit Hunden deshalb ganz einfache Erziehungsmängel. Ich muß dem „dominanten“ Hund einfach klar machen, daß ich nicht vom Sofa gedrängt werden will, sondern daß im Gegenteil er zu fragen hat, ob er hinaufdarf. Und er hat mich auch nirgens hinzuziehen!

Die meisten Hunde akzeptieren es gerne, wenn ihr Herrchen Regeln festlegt, an die sie sich halten müssen. Sie sind ja Rudeltiere, und haben deshalb gerne das Gefühl, daß der Rudelführer weiß was er will und sich nicht über den Tisch ziehen läßt.

Es ist ein prinzipieller Unterschied zwischen Hunden und Wölfen, daß die letzteren immer versuchen werden, jede Schwäche des Leitwolfs auszunutzen und ihn abzuservieren, während die meisten Hunde auch einen nicht sehr starken menschlichen Rudelführer akzeptieren und im Amt lassen.

Es gibt eigentlich nur vereinzelte Hunde, die eine so starke tatsächliche Dominanzanlage haben, daß  sie unbedingt ihre gesamte Umgebung kontrollieren müssen.

Prinzipiell gilt für Dominanzprobleme, daß man sie mit Privilegienentzug bearbeitet. Ein störend dominanter Hund darf einfach zu viel und gehört in seinem Selbstwert reduziert.

 

Privilegienentzug für dominante Hunde:

1)     Nur mehr hinter dem Menschen durch eine Tür gehen

2)     Beim Spazierengehen hinter dem Menschen oder neben ihm gehen, nicht vorne in der Leitwolfposition

3)     Erst nach den Menschen zu Fressen bekommen, und in Sitz- oder Platz-Position auf Freigabe der Futterschüssel warten

4)     Die Futterschüssel dem Menschen überlassen können

5)     Nicht mehr auf eröhte Positionen in der Wohnung dürfen (Sofa)

6)     In bestimmte Zimmer prinzipiell nicht dürfen.

7)     Keine Spielaufforderungen vom Hund annehmen

8)     Nicht Gassi-Gehen, wenn der Hund es verlangt (wenn man glaubt, daß er wirklich muß, kann man ihn in Platz-Position 5 Minuten warten lassen, und dann sozusagen als Belohnung fürs Platz-Bleib mit ihm gehen)

9)     Keine Besucher und auch die Besitzer beim Heimkommen begrüßen, sondern in Platz-Position ruhig warten, bis der Mensch zum Hund geht (oder auch nicht)

 

Indy

Ich habe diese Erfahrung einer solchen Dominanztherapie mit dem Deutsch Kurzhaar Indy gemacht, (der leider zu Weihnachten 2003 an seinem Ferienpflegeplatz überfahren wurde). Ich perönlich finde, daß einem nur noch wenig Freude an einem Hund bleibt, wenn man ihn in allen seinen Äußerungen beschneiden muß, weil er sonst zu dominant ist. Bei Indy war es leider notwendig. Natürlich ergeben sich bei dieser Methode Schwierigkeiten, wenn noch andere Hunde im Haushalt leben, die man „normal“ behandeln will. So hatten wir in unerem Rudel Indy-Celtic-Robin eine sehr komplexe Rangordnung aufgrund des Zusammentreffens der drei Hundpersönlichkeiten. Indy hatte zwar die größte Dominanz an sich und ein unerschütterliches Bedürfnis, seine Umwelt zu kontrollieren, aber Robin hatte ihn aber als Welpe hervorragend erzogen und ihn durch unerbittliche Strenge (ich muß mir seine Methode für den nächsten überdominanten Welpen merken!!) so beeindruckt, daß auch der erwachsene 70 cm hohe Indy in dem alten kranken Sheltie die einzige Respektsperson seines Lebens gesehen hat.

Celtic, der genau zwei Tage älter ist als Indy war, und der mit ihm zusammen aufgewachsen ist, ist selber ein sehr starker Hund, der viel Bestimmtheit und Kraft fühlen will, wenn er gehorchen soll. Aber er ist und war immer ein sehr freundlicher umgänglicher Hund, und es wäre mir nicht einmal eingefallen, ihn in das restriktive Indy-Antidominanz-Programm einzubauen. So hatten wir ein merkwürdiges Scheinrudel mit einer künstlich auf den Kopf gestellten Rangordnung, solange wir Menschen dabei waren. Robin, der seine Führung nur aufgrund von konsequenter Welpenerziehung innehatte und keinen zufälligen Rempler von den großen Junghunden ausgehalten hätte, der aber auch schon ziemlich abgeklärt und in Pension war und nicht mehr viele Führerbedürfnisse angemeldet hat, dann Celtic, der eigentlich ein guter Leitwolf ist, und der eigentlich die aktive Führung im Hunderudel hatte (unterstützt von Robin, wenn Indy frech zu Celtic war) und dann Indy, doppelt so schwer wie Celtic, vierlmal so schwer wie Robin, und mit einem brodelnden Verlangen, die Rudelführung an sich zu reißen.

Das Rudel hat in dieser künstlichen Form natürlich nur gehalten, solange wir dabei waren. Wenn wir nicht da waren, mußten wir die Hunde trennen, da Indy versucht hat, in unserer Abwesenheit Celtic zu eliminieren. Da er es trotzdem immer wieder geschafft hat, durch die geschlossenen Türen zu brechen (das war ja eines unserer Probleme mit ihm) trägt Celtic noch ziemlich viele Narben, besonders an den Beinen- ich nehme an er hat versucht, sich dem viel stärkeren Indy zu unterwerfen, und wurde deshalb an den Beinen gebissen.

Bei Indy ist die Dominanz langsam besser geworden, nachdem er endlich kastriert war. Mit fünf Jahren hatte er sein Leben auf eine Art Kompromiß eingestellt. Sein Problem war hauptsächlich, daß er nicht toleriert hat, daß seine Menschen seine Seite verlassen und dann ungeheure Zerstörungen angestellt hat. Also hat er sich mit Stephan, seinem Besitzer darauf geeinigt, daß er überallhin mitkommt, und dafür aber ohne Zerstörung im Auto bleibt.

Die Rudelsituation im Weidlinger Rudel war also nicht besonders wünschenswert und ziemlich stressig für alle Beteiligten.

Zur Warnung übrigens: Indy war schon als zweiwöchiger Welpe deutlich als Sturschädel zu erkennen!

Wie ein dickes faltiges braunes Meerschwein ist er bei den Züchtern über den Teppich gekrochen, bis er an eine Barriere gekommen ist. An die ist er dann angerannt und angerannt und angerannt und wenn man ihn in eine andere Richtung gedreht hat, hat er sich zurückgedreht, um weiterhin die Barriere zu bekämpfen!