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Balance, Cast und Power

 

Warum Border Collies beim Hüten zu solchen Höchstleistungen imstande und die anderen Hunderassen, auch die anderen Hütehunderassen, nicht mehr? (mit der möglichen Ausnahme der Kelpies)

Wenn man eine kurz gefaßte Antwort geben will, kann man sagen. daß sie drei angeborene Eigenschaften haben, die man einem Hund, der sie nicht mitbringt, nie richtig antrainieren kann: Balance, Cast und Power

 

Power

Unter Power ist der unerschöpfliche Wille zusammengefaßt, den Schafen den eigenen Willen aufzuzwingen. Ein Border Collie will auch noch Schafe bewegen, wenn sie sich widersetzen, wenn es schüttet oder stürmt, wenn er schon seit Stunden arbeitet und müde ist oder wenn nebenbei ein anderer Hund Ball spielt.

Andere Hunderassen haben irgendwann genug von der Arbeit und lassen einen im Stich, wenn man sie am meisten braucht, nämlich wenn es schwierig wird!

Border Collies verwenden zum Bewegen der Schafe einen Stil, den man "Eye" nennt, ein raubtierartiges Anschleichen an die Schafe, das kaum ein Hund einer anderen Rasse beherrscht. Auch das "Eye" ist angeboren und resultiert aus der großen Konzentration und dem unerschütterlichen Willen der Borders, Schafe zu lenken.

Auf den zwei Bildern sieht man Power und Eye deutlich an Boss, einem norwegischen Kelpie

         

Balance

Balance ist die angeborene Begabung, zu spüren, wohin man sich bewegen muß, damit die Schafe sich in eine bestimmte Richtung weiterbewegen. Ein junger Border Collie übt zunächst einmal immer die Schafe zu seinem Schäfer zu treiben, das kann er ganz ohne Befehle, man muß nur den eher stürmischen jungen Border etwas auf die Geschwindigkeit achten.

 

 

                  

Wenn der Hütehund dann besser wird, lernt er die Schafe von seinem Herrn wegzutreiben. Das soll möglichst in geraden Linien geschehen, wobei der Hund wieder sein Gespür für Balance einsetzen muß, um vorauszuahnen, wohin die Schafe von selber gehen würden. Manchmal, zum Beispiel wenn man die Herde an einer Fütterstelle oder am Stall vorbeitreibt, ist der Point of Balance, um die Schafe auf einer geraden Linie zu halten, gar nicht hinter der Herde sondern seitlich, um die Verlockung zu blockieren!

Meinen Shelties versuche ich Balance beizubringen, aber da die Reaktion nie von selber kommt, sondern immer mit Verspätung und auch nie so exakt wie bei einem guten Border, sind die Grenzen der Leistungsfähigkeit bald erreicht.

 

        

 

Cast

Cast ist der angeborene Instinkt, die Herde zu umkreisen um sie zum Schäfer zurückzuholen. Ein Border Collie wird mit relativ wenig Training lernen können, einen so großen Bogen um die Schafe zu schlagen, daß sie sich der bedrohlichen Präsenz eines Raubtieres erst bewußt werden, wenn er hinter ihnen gelandet ist, sodaß sie sich in Richtung Schäfer in Bewegung setzen. Diesen Teil der Hütearbeit nennt man den Outrun und mit anderen Rassen sind mit viel Training vielleicht kleine Outruns möglich, aber kaum die schönen weiten Outruns über 500 Meter oder noch größere Distanzen, zu denen Border Collies imstande sind.

  

Andere Rassen

Obwohl mit einem Border Collie ein Niveau im Hüten erreicht werden kann, das für andere Rassen (wobei es immer einzelne Ausnahmen geben mag) nicht mehr zu realisieren ist, habe ich trotzdem auch mit meinen Shelties große Freude an der Arbeit mit den Schafen. Ich sehe auch immer mit großem Interesse andere Rassen beim Hüten und glaube, daß ich von jedem Hund etwas über das Wesen des Hütetriebs lerne. Jeder gut erzogene Hund, der Schafen nicht schadet, kann ein nützlicher Arbeitsgefährte bei Nutztieren werden, wenn man weiß, wie man ihn einsetzt.

Aber die Border Collies haben eine einzigartige Begabung, die unbedingt durch sorgfältige Zucht erhalten werden muß!