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Alltagstraining mit unseren Hunden
Einen Großteil des
Hundetrainings muß man gar nicht in die Hundeschule ausgliedern, es ist
im Gegenteil sehr sinnvoll, wenn man gleich in der normalen
Alltagssituation trainiert, was man braucht. Schließlich habe ich ja
nichts davon, wenn der Hund eine BGH2 gehen kann aber beim
Spazierengehen noch immer an der Leine zieht.
Alltagserziehung hat
zwei weitere Vorteile:
-Man kann die
Spaziergehzeit gleich für Erziehung nutzen und muß nicht eine
Extra-Viertelstunde dafür finden
-Man festigt die
Rangordnung dadurch, daß der Hund lernt, daß er in jeder Lebenslage auf
seinen Besitzer Rücksicht nehmen und seine Wünsche respektieren muß
Unsere Hunde dürfen
sich ziemlich frei bewegen, weil wir wissen, daß sie gut auf Zuruf
folgen. In unserer Nachbarschaft sind wir schon berühmt für unser
Dreierrudel, das ohne Leine läuft und trotzdem unter Kontrolle ist! Ich
habe auf unseren Spazierstrecken Erziehungsstrecken, auf denen die Hunde
schon wissen, daß irgendetwas geübt wird, Fußgehen, Sitz, Platz; Steh,
etc. Es ist nie ganz dasselbe, das ich trainiere, und manchmal teste ich
den Gehorsam auch auf den üblicherweise „erziehungsfreien“ Strecken.
Kommandos, die man für freies Spazierengehen braucht
1)
In jeder Lebenslage ein sicher ausgeführtes schnelles
„Komm her“
2)
Ein schnelles „Lie Down“ („Platz“) (Wenn ich andere Hunde
entgegenkommensehe lege ich gerne alle meine Hunde ab, bis dieser
vorbeigegangen ist. Meine Hunde können mit den Hunden, von denen ich
weiß, daß sie sich vertragen spielen, aber sie müssen nicht auf jeden
Hund zurennen und ihn kennenlernen! Meistens kommt dann sowieso der
andere Hund und schnuppert unsere ab. Da sie aber liegen kann sicher
nichts passieren. Weder der andere noch meine könnten zum Beispiel
aufreiten und so zu streiten beginnen.)
3)
„Bei mir“-Gehen- Wir sagen „Bei mir“ statt „Fuß“, wenn wir
wollen, daß der Hund neben uns geht und in unserem Einflußbereich
bleibt. Das Kommando „Fuß“ reservieren wir für das Obedience-mäßige
Fußgehen, bei dem der Hund immer konzentriert zum Herrn aufschaut und
seine Augen nicht von ihm läßt, und außerdem ganz exakt und nah am Bein
des Hundeführers „klebt“. Für den Alltag ist „Bei mir“ meist ausreichend
und für beide Parteien weniger Konzentrationsaufwand.
Kommandos, die einem
das Leben mit dem Hund im Haus erleichtern (und die Rangordnung
stabilisieren!)
1)
Sitzen, während die Futterschüssel gefüllt
wird. Dann ein wenig warten können und erst
auf Erlaubnis zuschlagen. Auch tolerieren, daß der Mensch die Schüssel
wieder wegnimmt. (Kann man dem Welpen leicht beibringen, indem man sie
wegnimmt und etwas Leckeres dazutut und sie ihm dann gleich wieder gibt)
2)
Zimmer nur auf Erlaubnis betreten. Man kann dem Hund
beibringen, eine Türschwelle als Grenze zu akzeptieren, bei der er
„fragen“ muß, wenn er sie übertreten will. Das stabilisiert nicht nur
die Rangordnung, sondern erleichtert auch die Hausarbeit, denn nicht
immer kommt der Hund so sauber heim, daß man ihn gleich ins Wohnzimmer
lassen will. So muß man ihn nicht aussperren und zusätzlich festigt man
seine Position im Rudel.
3)
Nur auf Erlaubnis aufs Sofa lassen. Wenn man überhaupt
seinen Hund auf das Sofa lassen will, dann sollte er schon um Erlaubnis
fragen. (Fragen lernen sie von selber, wenn sie einmal wissen, daß sie
nur dürfen, wenn sie eingeladen sind. Sie legen zum Beispiel vorsichtig
den Kopf oder die Pfotenspitze aufs Sofa und schauen einen dabei an.
Gleich eine klare Antwort geben und nicht dreimal nein und dann doch ja
sagen, hilft dem Ansehen, das man beim Hund
genießt.
4)
Ins Körberl schicken. Manchmal wuseln einem die Hunde im
Weg herum, wenn man in der Wohnung beschäftigt ist. Statt dauernd über
sie zu stolpern und zu schimpfen, wann immer sie im Weg sind, schickt
man sie lieber gleich in ihr Körberl (leicht zu lernen, indem man zuerst
immer etwas Gutes hineinlegt und den Hund dann schickt)
5)
Aus dem Zimmer schicken. Sehr praktisch zum Beispiel, wenn
der Hund bettelt. Man schickt ihn einfach aus der Küche (hinter die
schon gelernte Türschwelle) Auch das lernen Hunde leicht, man kann das
sogar nur in „Hundesprache“ mit Raubtier-Border-Collie-Blicken
erreichen. (den Hund aus dem Zimmer starren)
6)
Auf einem Platz liegen und bleiben. Sehr nützlich beim
Putzen.
7)
Aus dem Weg gehen, wenn Herrchen kommt. Wenn der Hund quer
durch den Flur liegt, müssen nicht wir um ihn herumklettern, sondern er
muß aufstehen und uns vorbeilassen. Ein Hund, der seinen Herrn
akzeptiert, tut das von selber, das ist Rudellogik.
Alle diese Übungen
erleichtern nicht nur enorm den Umgang mit dem Hund, sie haben auch noch
den äußerst nützlichen Nebeneffekt, daß sie die Rangordnung
stabilisieren. Wenn der Hund alles darf, was ihm gerade einfällt und man
immer um ihn einen Bogen schlägt um ihn in seinen momentanen
Bedürfnissen nicht zu stören, wird man bei den meisten Hundenfrüher oder
später ein Rangordnungsproblem bekommen. Durch diese einfachen Übungen
bleibt immer klar, wer das Sagen hat.
Der Hund fragt, wir
antworten
Ich bin sehr dafür,
daß Hunde ihre Bedürfnisse und Wünsche auch zeigen und äußern sollen,
ich will ja schließlich, daß mein Hund mit mir kommuniziert. Deshalb
finde ich es ganz in Ordnung, wenn sie um etwas bitten, das sie sich
wünschen (Futter aus der Keksdose, den Ball von der Kommode, oder darum
ins Zimmer gelassen zu werden) Es ist aber ganz wichtig, daß man auf
diese Wünsche eine klare Antwort hat, zB.: „Na gut, ein Keks“ – dann
bekommt er nachher aber wirklich keines mehr, oder „Nein, du hast
dreckige Pfoten, du kommst jetzt nicht rein“ –Dann läßt man ihn aber
auch nicht fünf Minuten später rein, „weil er so süß schaut“
Es gibt Trainer, die
dagegen sind, daß der Hund ein Spiel anfängt. Der Hundeführer muß immer
den Anfang machen. Ich sehe es gerne, wenn mir meine Hunde einen
Spielvorschlag machen. Dajm bringt mir zum Beispiel alles was er findet,
um es von mir geworfen zu bekommen, von der Sicherheitsnadel zur
Briefmarke. Das finde ich einfach zu originell, um es zu unterbinden.
Aber wichtig ist, daß man sich nicht vom Hund „anraunzen“ läßt. Wenn er kommt und spielen will und man hat keine Zeit, sagt man ihm klar, daß man jetzt nicht will, nimmt ihm vielleicht das Spielzeug weg und läßt sich aber nicht trotzdem zu ein bißchen erweichen, um dann sauer zu werden, weil einen der Hund stört. Klare Kommunikation. Man nimmt den Spielvorschlag an, man lehnt ihn ab, oder man sagt „OK, drei Würfe“ und nach drei Würfen ist es wirklich aus.
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